Assessment-Center messen Verhalten, kein Potenzial
Kurz kommentiert
Der Psychologe Chris Dewberry hat mit seiner vielzitierten Arbeit „Assessment centers do not measure stable competencies“ die Fachdebatte neu entfacht. Mit generalisierungstheoretischen Verfahren zeigt er: Assessment-Center erfassen keine stabilen Kompetenzen — sie erfassen situative Leistung an einem bestimmten Tag, unter bestimmten Beobachtern.
Was genau steht eigentlich in der Bewertung, wenn nicht die Kompetenz der Person?
Ich lese das nicht als Abrechnung mit dem Assessment-Center — als Instrument zur Beobachtung von Verhalten in einer definierten Situation leistet es, was es leisten kann. Der Fehler liegt darin, dieses Verhalten mit der Person selbst zu verwechseln. Wer in einer simulierten Verhandlung überzeugt, hat eine Verhandlung überzeugend geführt. Mehr sagt das zunächst nicht.
Ich verlasse mich deshalb nicht auf den Schnappschuss aus der Simulation, sondern auf das, was sich über echte Situationen und echten Werdegang zeigt — das lässt sich nicht an einem Nachmittag herstellen.
Ein guter Auftritt ist ein guter Auftritt. Er ist noch keine Kompetenz.



