Gutes Coaching zur falschen Zeit ist schlechte Führung
Kurz kommentiert
Eine aktuelle Studie mit Nachfolgern von Schulleitern in den USA zeigt: Vision und Coaching eines neuen Vorgesetzten verbessern Engagement und Leistung der Organisation, wenn die Belegschaft Veränderung für nötig hält. Empfindet sie die Lage als stabil, führt exakt dasselbe Verhalten zu einem Rückgang (Klein et al., 2026, Journal of Applied Psychology).
Was als Unterstützung gedacht ist, käme bei einem Team, das seine Arbeit für intakt hält, als etwas anderes an. Ein Coaching-Angebot, das niemand angefordert hat, signalisierte Zweifel an dem, was bislang funktioniert hat. Mitarbeiter läsen darin nicht Fürsorge, sondern die Vermutung, ihre bisherige Leistung tauge nicht. Der Vorgänger hätte mit demselben Verhalten vermutlich das Gegenteil bewirkt — seine Autorität würde aus etwas anderem gespeist als aus der Neuheit im Amt.
Das eigentliche Risiko bei einer Nachfolgebesetzung liegt damit nicht im Führungsstil selbst, sondern in der Frage, ob er zur Lesart der Organisation passt. Ein Team, das sich für stabil hält, hört in intensiver Führung eine andere Botschaft als ein Team, das auf Veränderung wartet.
Woran würde ein Nachfolger erkennen, welche der beiden Botschaften seine Organisation gerade hört?
Quelle:
Klein, K. J., Schwartz, S., Keller, J. R., Harrison, D. A., Vittengl, J. R., & Cohen, N. A. (2026). For Good and for Bad: The Distinctive Effects of Successors‘ Leadership Behavior on Collective Engagement and Organizational Performance. Journal of Applied Psychology, Advance online publication.


