Wo sind die Chefs?
Kurz kommentiert
Das IW Köln kommt in seinem aktuellen KOFA Kompakt zu einem bemerkenswerten Ergebnis: Nur 14 Prozent der Beschäftigten ohne Führungsverantwortung können sich vorstellen, eine Führungsrolle zu übernehmen. Weitere 40 Prozent wären grundsätzlich dazu bereit – allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen. Gleichzeitig fehlten 2025 im Durchschnitt mehr als 28.000 Fachkräfte in Führungsberufen.
Die Studie erklärt einen Teil des Problems. In meiner Arbeit begegnet mir jedoch regelmäßig ein weiterer.
Ich spreche mit Menschen, die führen wollen, Verantwortung übernehmen und das Potenzial dazu mitbringen. Trotzdem erhalten sie selten die Chance auf ihre erste Führungsposition. Ausschlaggebend ist häufig nicht ihre Eignung, sondern der fehlende Nachweis einer offiziellen Führungsfunktion im Lebenslauf.
In vielen Auswahlprozessen zählt vor allem eines: Wer bereits disziplinarische Führung ausgeübt hat, gilt als sichere Wahl. Wer Projekte geleitet, Teams fachlich geführt oder über Jahre Verantwortung übernommen hat, bleibt dagegen oft außen vor.
So entsteht ein Kreislauf, den Unternehmen selbst kaum noch hinterfragen. Führungserfahrung wird zur Eintrittskarte für die nächste Führungsposition. Potenzial allein reicht nicht.
Der Mangel an Führungskräften ist deshalb nicht nur eine Frage der Motivation. Er ist auch eine Folge der Art, wie Führungskräfte ausgewählt werden.
Wer den ersten Führungsjob nur an Menschen vergibt, die bereits geführt haben, braucht sich über Führungskräftemangel nicht zu wundern.



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