„Wo im Staat der Reichtum und die Reichen geachtet sind, dort sind Tüchtigkeit und Tüchtige weniger geschätzt." — Platon, Politeia
Donald Trump, der Milliardär, Showman und Spekulant, ist wieder Präsident. Aber die eigentliche Frage lautet nicht: Wie konnte das passieren? Sondern: Warum wählen hart arbeitende Menschen Oligarchen zu ihren Anführern?
Seine Ideen für die wichtigen Posten in seiner Regierung erinnern an einen typischen Roman von Stephen King. Eine Gruppe von Menschen, die keinerlei Zweifel haben, was richtig und falsch ist — denn die meisten von ihnen sind schließlich reich geworden, und reich werden nur die Entschlossenen. Wenn du nicht nur reich, sondern „Super-Fucking-Rich" geworden bist, dann hast du vielleicht den Point of no Return überschritten: du glaubst, dass niemand der normalen Sterblichen das Recht hat, dich zu kritisieren.
Aber Donald, der MAGA-Imperator, wurde zweifelsfrei von der Mehrheit gewählt. Die Mehrheit sind hart arbeitende Menschen — Familien mit Kindern, die hoffen, dass sie ihren Job behalten und die Stromrechnung nicht zu hoch ausfällt. Diese einfachen Menschen wählen Oligarchen zu ihren Anführern? Sehen sie nicht, dass diese selbst ernannten Götter voller Verachtung auf sie herabblicken?
Der französische Autor Étienne de La Boétie fragte sich schon 1546 in seiner „Abhandlung über die freiwillige Knechtschaft", wie es denn sein könne, dass so viele Menschen Tyrannen erdulden. Seine Erkenntnis:
„Ein Herrscher hat nicht mehr Macht, als man ihm gibt."— Étienne de La Boétie, 1546
Durch Betrug, Verführung und allem, was als Blendwerk taugt — insbesondere Pracht, Lüge und Religion — verführen Tyrannen die Massen. Die Menschen dächten immer zuerst an ihren Bauch und ihr Vergnügen und wären bereit, ihre Freiheit einzutauschen gegen Panem et Circenses. Sein Appell war denkbar einfach:
„Seid entschlossen, nicht mehr zu dienen — und ihr seid frei!"— Étienne de La Boétie
Platon entwirft in der „Politeia" ein Modell des Verfassungskreislaufs: Aus der Aristokratie wird die Timokratie, in der Ehrgeiz und Mut die Oberhand gewinnen. Reichtum wird nun immer wichtiger — und so entwickelt sich die Timokratie zur Oligarchie. In den Seelen der Menschen manifestiert sich eine vorherrschende Begierde nach materiellem Besitz. Strebte man in der Aristokratie noch nach Areté — Vortrefflichkeit durch Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Maß — ist tugendhaftes Denken in der Oligarchie nutzlos, wenn nicht sogar schädlich.
Die fortschreitende Polarisierung zwischen Arm und Reich führt zur Revolution und schließlich in die Demokratie. In der demokratischen Seele findet sich keine klare Hierarchie mehr — alle Begierden und Impulse werden als gleichwertig betrachtet. Diese Beliebigkeit führt zur Orientierungslosigkeit, welche den Nährboden für die Tyrannis bildet.
Platon führt ein Gespräch mit dem Philosophen Glaukon, das heute so klingt, als wäre es gestern geschrieben worden:
„Jene Schatzkammer, die sich jeder mit Gold gefüllt hat, verdirbt die Verfassung. Zuerst finden sie Gelegenheiten für einen Aufwand heraus und biegen dazu die eigenen Gesetze um. Nunmehr widmen sie sich noch mehr dem Gelderwerb, und je ehrenvoller ihnen dieser erscheint, umso weniger achten sie die Tüchtigkeit."— Platon, Politeia
Und so stellen wir fest, dass alle um uns herum das Geld anbeten. Aus König Midas wurde Ebenezer Scrooge und dann Andrew Carnegie, John D. Rockefeller, Mark Zuckerberg und Elon Musk. Das klassische Ideal des Wahren, Guten und Schönen, welches unsere westliche Kultur entscheidend geformt hat, scheint mehr und mehr in Vergessenheit zu geraten.
Dabei enthält selbst die Bayerische Verfassung noch diese Trias:
„Oberste Bildungsziele sind Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor religiöser Überzeugung und vor der Würde des Menschen, Selbstbeherrschung, Verantwortungsgefühl, Hilfsbereitschaft, Aufgeschlossenheit für alles Wahre, Gute und Schöne."— Bayerische Verfassung, Artikel 131, Absatz 2
Francisco Goya malte: „Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer." Vielleicht ist das der Satz, der unsere Gegenwart am treffendsten beschreibt.
Ich wiederhole Platon — weil er es verdient, wiederholt zu werden:
„Wo im Staat der Reichtum und die Reichen geachtet sind, dort sind Tüchtigkeit und Tüchtige weniger geschätzt."
Quo vadis?